Der Sommer war ’ne große Zeit Und gestern war’s noch heller Die Tage werden halb so breit Die Schatten steigen schneller
Die warme Sicherheit kommt lau und weich ins Wanken Der Herbst rammt dem Sommer seine Farben in die Flanken Die Welt wird wieder bunter und trennt sich vom Ballast Am Strand verharrt noch tapfer ein letzter Badegast Die Sonne verpasst dem Korn die letzte Beizung Der deutsche Hobby-Bastler repariert noch seine Heizung Mit Baumarkt – Weil’s gut werden muss Ein kurzes Liebesglück verpasst den letzten Kuss Denn wenn die Tage dunkeln wird die Leichtigkeit zu Last Und manches neue Paar stellt fest, dass es nicht zusammenpasst Die Wohnung ist zu klein für ’ne Liebe, die nicht stimmt So bleibt man nun allein, der nächste Sommer kommt bestimmt
Herbstmanöver – versperrt sind Tür und Gärten Herbstmanöver – man besinnt sich auf die Härten Herbstmanöver – Gedanken sind verworr’n Und der Alltag, der Alltag, kommt zäh und kahl von vorn
Die Früchte hängen schwer und reifen wieder um die Wette Es duftet nach Vernichtung als Teil der Lebenskette Blicke werden trüber, Straßen stehen breiter Ein Schwalbenschwarm macht Station und fliegt gleich wieder weiter Die Natur geht in Totale, in ein letztes großes Bäumen Wir saufen uns den Bauch noch voll mit uns’ren Jugendträumen Und andern Illusionen, denn die Nächte werden kälter Nie mehr so intensiv, – wir werden älter Freuden kriegen Ecken und sie schneiden tiefe Falten Die letzten Sommerreste verrecken in den Spalten Im Tiefflug hetzen Winde und künden von Vollstreckung Ein müder Optimismus, klärt sich ab – und geht in Deckung
Herbstmanöver – versperrt sind Tür und Gärten Herbstmanöver – man besinnt sich auf die Härten Herbstmanöver – Gedanken sind verworr’n Und der Alltag, der Alltag, kommt kalt und grau von vorn
Das Jahr zählt seine Tage und es sehnt sich schon nach Wende Und auch für verklemmte Spanner geht jetzt die Saison zu Ende Die Blätter und die Hoffnung flattern fatalistisch nieder Die Selbstmordraten steigen statistisch endlich wieder In den Gassen räumen Wirte ihre Bänke in den Keller Die Landschaft atmet aus, der Puls der Stadt wird wieder schneller Ganz Europa wirft sich in die vertraute Arbeitsweste Der graue Alltag hat uns hochgebracht – vielleicht ist der für uns das Beste?